Training anpassen während der Covid-19-Periode

Training anpassen während der Covid-19-Periode

In dem Zeitraum der stärksten Verbreitung von Covid-19 hat so mancher Sportler sein Saisonziel verloren. Es ist fraglich, welche Wettkämpfe stattfinden werden. In diesem Beitrag empfehlen wir dir Strategien, wie man mit der aktuellen Situation am besten umgehen kann.

Anpassung der Saisonziele

An erster Stelle müssen die bisherigen Ziele überdacht werden. Es ist unsicher, ob größere Veranstaltungen umgesetzt werden können. In den kommenden zwei bis drei Monaten wurden bereits zahlreiche Wettbewerbe gecancelt.  

Du musst daher eine Annahme treffen:

  • In diesem Jahr finden keine Multisport-Veranstaltungen mehr statt.
  • Teilnahme an Triathlons werden am Ende der Saison möglich sein.

Szenario 1

Wenn du der Meinung bist, dass die Triathlon-Saison vorüber ist, hättest du jetzt Zeit, einen langfristigen Trainingsaufbau zu initiieren. Du könntest deine Key Limiter, also deine Leistungsbegrenzer, analysieren und daraus folgend ein Trainingskonzept entwickeln. Überlege, in welchen Trainingsbereichen du noch viel Potenzial hast. Passen deine Teildisziplin-Zeiten von Laufen, Radfahren, Schwimmen zueinander? Wie lange würde ein typischer Athlet auf deinem Leistungsniveau für die einzelnen Teildisziplinen benötigen und gibt es große Unterschiede im Vergleich zu deinen Durchgangszeiten? Du kannst auch bei Pentek-timing analysieren, wie sich deine AK Rangfolge bei den drei unterschiedlichen Disziplinen des Triathlons verändert. Wenn du zum Beispiel bei einem Bewerb als 40er aus dem Wasser gekommen bist und beim Laufen und Radeln unter den Top Ten warst, dann ist Schwimmen wohl für dich ein Key Limiter. Ein Begrenzer kann auch deine Kraftleistung oder deine Schwimmtechnik sein. Formuliere dein Ziel am besten so exakt wie möglich, wie z.B. 20 Minuten lang auf der Rolle 250 Watt leisten zu können.

Eine interessante Option wäre es, sich auf einer Unterdistanz zu verbessern. Wie wäre es, wenn du deine 1000-Meter-Bestzeit von 3:40 auf 3:30 bringst? Basierend auf dieser erhöhten Grundlagengeschwindigkeit wirst du kombiniert mit entsprechend qualitativen Ausdauertraining die Wirkung auch bei längeren Distanzen im Jahr 2021 spüren. Wir wollen dir hierfür ein konkretes Beispiel geben, wie du an deinem neuen Ziel während Covid-19 arbeiten könntest.

Dies ist eine schematische Darstellung, wie man ein progressives Training für eine 1000-Meter- Zeit aufbauen könnte. Zur Optimierung kannst du dir auch das 800m Workout von Leichtathleten anschauen. Diese würden noch Lauf-ABC Übungen, Sprung-und Krafttraining ergänzen, sowie weitere kürzere, intensive und auch lockere Einheiten absolvieren. Als berufstätige Triathleten werden wir dieses Training jedoch nur mit reduziertem Umfang umsetzen können, wobei aktuell ja eine gute Möglichkeit wäre, neue Reize zu setzen. Die Tabelle soll nur die Art und Weise veranschaulichen, wie du dich auf dein neues Ziel vorbereiten kannst. Das Prinzip lässt sich auf andere Key Limiter genauso übertragen.

Wenn du dich für diese Variante während der Covid-19-Phase entscheidest, wirst du gestärkt in die nächste Saison starten, da du dein langfristiges Potenzial durch Arbeit an deinen Key Limitern jetzt im Sommer erhöhst.

Szenario 2

Wenn du nicht ganz so pessimistisch eingestellt bist, kannst du auf einen Start bei Triathlons spekulieren. Für viele Athleten ist die Aussicht auf einen Wettkampf elementar, um die Motivation für ein ernstes Training aufbringen zu können. Wenn du dazu neigst, dein Training ohne Wettkämpfe im reduziertem Ausmaß durchzuführen, dann ist es sinnvoll, sich einen Wettkampf zu suchen, der am ehesten im Jahr 2020 stattfinden wird.

Das wahrscheinlichste Szenario für eine Startfreigabe sehen wir für Triathlons, die ein überschaubares Teilnehmerlimit ausschreiben und im September angesetzt werden. In diesem Monat finden schließlich die letzten Wettkämpfe statt. Wir empfehlen dir daher, solche Veranstaltungen für dein angepasstes Saisonziel auszuwählen. Möglicherweise wechselst du die Triathlon-Distanz, z.B. von der Halbdistanz zur Olympischen Distanz. Das ist jedoch vollkommen in Ordnung, da die Hauptsache sein sollte, überhaupt bei einem Triathlon in diesem Jahr teilzunehmen.

Des Weiteren könnte es auch Sinn machen, sich in dieser Trainingsperiode auf das Laufen im Rahmen des Triathlon-Trainings zu konzentrieren. Auf diese Weise hättest du einen Plan B, sollten keine Triathlon-Bewerbe im Jahr 2020 durchgeführt werden dürfen. Es ist sicherlich nicht unwahrscheinlich, dass kleinere Laufbewerbe im Herbst bis zu einem bestimmten Teilnehmerlimit unter Einhalt der Sicherheitsrichtlinien veranstaltet werden dürfen.

Im Falle des „Worst Case Szenarios“, also, dass gar keine Bewerbe im Jahr 2020 stattfinden werden, gibt es noch einen Plan C. Probiere doch einen virtuellen Lauf aus. Die Digitalisierung hat auch kreative Lösungen für Laufwettkämpfe gefunden. Im Prinzip führst du den Wettkampf auf einer selbst gewählten Strecke aus und lädst deine Daten deiner GPS-Uhr am Tag des Wettkampfes auf die Homepage des Anbieters. Du erhältst, wie bei einem normalen Rennen, eine Urkunde über deine Leistung mit Zeit und Rang vom Veranstalter. Die Bedingungen der Athleten sind vielleicht nicht ganz vergleichbar; möglicherweise fällt die Differenz aufgrund der unterschiedlichen Strecken jedoch viel geringer aus, als du denkst. Die allermeisten Sportler werden sich, genauso wie du, eine möglichst optimale Wettkampfstrecke aussuchen. Bereite dich gut vor und bitte einen besseren Trainingskollegen, dass er dir am Wettkampftag die Pace vorgibt. So hättest du die Möglichkeit z.B. eine 5km Bestzeit aufzustellen. Und ja, wir sind der Auffassung, dass eine erzielte Leistung, mit ein oder zwei störungsfreien GPS-Uhren im Rahmen eines virtuellen Wettkampfes, genauso zählt, wie bei einem realen Rennen, zumindest bei Amateuren. Am 20. bzw. 21. Juni veranstaltet zum Beispiel www.deutschlandlaeuftweiter.de sämtliche virtuellen Distanzen, vom 5km Lauf bis zum Marathon. Falls du den Triathlon-Sport sehr ambitioniert betreibst, kannst du auch über virtuelle Wettkämpfe bei Zwift.com nachdenken. Genaueres diesbezüglich findest du im folgenden Beitrag: 

Virtuelle Wettkämpfe mit Lionel Sanders

Während der Corona-Periode macht es auf jeden Fall Sinn, sich neue und konkrete Ziele zu setzen, unabhängig davon, welches Szenario du am wahrscheinlichen hältst. Für den langfristigen Trainingsaufbau hat die aktuelle Wettkampfpause kaum Auswirkungen, wenn du dein Training weiterführst und gegebenenfalls anpasst.

In diesem Sinne wünschen wir dir eine tolle Saison, auch wenn sie etwas anders verlaufen wird als in den letzten Jahren.

Keep on moving

Reinhard und Co.

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